Schreibtante: Die schöne Bäckersfrau – das etwas andere Märchen

Es ist kein Geheimnis, dass ich gern schreibe. Die folgende Geschichte – oder eigentlich ein Märchen –  schrieb ich während meines Referendariats in einer Seminarsitzung zum kreativen Schreiben innerhalb von 20 Minuten. Aufgabe war es, eine Redewendung wortwörtlich zu interpretieren:

Die schöne Bäckersfrau

BrotEs war einmal eine Bäckersfrau, die unheimlich gute Brote buk. Die Leute kamen von überall her, um ihre Brote zu kosten. ABer nicht nur die Brote, auch die Kuchen, Kekse, Rosinenschnecken, eben alles, was die Bäckersfrau buk, sprach alle Sinne an: Man betrat die kleine Backstube und es duftete nach Koriander, Zimt, Rosinen, Anis und frischen Kräutern, es war herrlich und schmeckte so gut, dass man die Zeit vergaß.

Was kein er wusste: In der Backstube selbst stand zwar ein Ofen, aber dort buk die Frau gar nicht. Sie buk die Waren in der hinteren Stube, in der auch ihr kleines, bescheidenes Schlaflager war – und allein dieser Ofen dort sorgte für das besondere Aroma, das einem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ.

Eines Tages kam ein Wandersmann in den kleinen Ort – wie bei Fremden, die den Ort betraten so üblich, wurde er misstrauisch beäugt. Doch das kümmerte den Mann nicht weiter, er wollte ohnehin nur kurz bleiben und dann weiter ziehen, zumal er dieses misstrauische Verhalten durch seine Reise bereits kannte. Er war ein Narr und hatte große Freude daran, andere zu bespaßen. Auf diese Weise bezahlte er Brot, Lager und Wein. So kam es, dass er auch in diesem Ort für allerhand Gaukelei sorgen wollte. Abends besuchte er die örtliche Wirtschaft – ein kleines Häuschen mit wenigen Tischen nur – um alle zu bespaßen und seinen Schabernack zu treiben. Anfangs noch zögerlich lachten bald alle Besucher über seine Scherze und Gaukeleien – was sicher auch daran lag, dass alle dem Wein gut zusprachen. Besonders die Bäckersfrau, die war ledig, lachte den Narren viel an und machte ihm schöne Augen.

Der Narr bemerkte dies und dachte so bei sich: „So lange schon habe ich keinem Weib mehr beigelegen, warum nicht heute Nacht?“ Ihre Wangen röteten sich merklich, als der Narr sie später ansprach, und gemeinsam gingen sie bald zu ihrer Backstube. Der Narr, fröhlich und voller Lust auf das, was kommen mochte, setzte all seine Verführungskünste ein, und die Bäckersfrau ließ es gs eschehen.

Nach einer Weile, als sie erschöpft nebeneinander lagen, war er so müde und schläfrig, dass er nicht bemerkte, als die Bäckersfrau das Schlaflager verließ. Des Nachts qualmte es dann dunkel und schwarz aus dem Backsteinschlot der Stube.

Am nächsten Morgen, ganz früh, öffnete die Bäckersfrau ihre Backstube und alle Bewohner des Ortes waren sich einig: Heute duftete es besonders gut! Sie stürzten sich auf die Brötchen, Brote und süßen Backwaren wie wild. Dabei bemerkte kaum einer, dass die Bäckersfrau gerade eben die Kleidung des Narren in der Mülltonne hinter der Stube verstaute.

Die Bäckersfrau aber kicherte und lachte sich wahrlich ins Fäustchen, denn die Dorfbewohner hatten im wahrsten Sinne des Wortes einen Narren an ihren Backwaren gefressen!

(c) naehabstelkochtante.de 2015

Bildquelle: http://www.freeimages.com/photo/1426217 – milspa at sxc.hu

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Schreibtante im Mai 1994: Geisterschloss um Mitternacht

Zumindest ein „Jep“ habei ích erhalten auf meine Anrage, ob Interesse besteht an Geschichten und Märchen, die ich verfasst habe. Dementsprechend poste ich dies:

Für den Deutschunterricht musste ich 1994 (mit knapp 13 Jahren) einen Aufsatz schreiben. Als Ergebnis legte ich folgende Geschichte vor, wobei es mir bis heute rätselhaft ist, weshalb es daraufhin kein Elterngespräch gab. Ich habe die Geschichte nur geringfügig überarbeitet und an ihr gefeilt – also achtet nicht so sehr auf logische Zusammenhänge. Auch habe ich nur sehr wenig Ausdrücke und den Satzbau verändert oder etwas hinzugefügt. Ich mag die Geschichte bis heute.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen (für diese Geschichte besonders das Copyright beachten)! Das Bild habe ich gefunden bei sxc.hu, es ist von user stevekrh19.

HauntedcastleGeisterschloss um Mitternacht 

Es hatte schon den ganzen Tag geregnet, doch am Abend, als Lynn, Maggie, Florian und Tom vor dem Geisterschloss angelangt waren, brach ein richtiger Sturm los. In der Pause hatten die Vier in der Schule gehört, dass Marina, eine nicht gerade beliebte Mitschülerin, vorhatte, um Mitternacht in das berühmte Geisterschloss an den Klippen, wo schon viele Leute verschwunden waren, zu gehen. Neugierig, wie die vier Kinder waren, hatten sie schnell beschlossen, ihr zu folgen. So warteten sie geduldig in einem benachbarten Unterstand, der von dem schmalen Pfad aus nicht einsehbar war und anscheinend für die Mülltonnen gedacht war. Es stank erbärmlich und insgeheim hofften sie alle, dass Marina früher auftauchen würde. „Da kommt sie!“ flüsterte Maggie plötzlich. Es war etwa 23 Uhr. Sie warteten einige Minuten, bis sie den Unterschlupf verließen und vor die Schlosstür traten. Diese war bestückt mit gruseligen Fratzen und Totenköpfen und ließ Lynn mächtig schaudern.

„Man hört noch die Schritte auf der Treppe. Warten wir, bis man gar nichts mehr von Marina hört.“

Plötzlich ließ ein durchdringender Schrei die Gruppe zusammenfahren. „Das war doch Marina. Wir müssen ihr helfen, ganz gleich, ob wir sie eigentlich nicht leiden können. Los, kommt!“

 

Lynn öffnete die knarrende Tür. „Psssst!“, ermahnte Tom sie, was ihm einen ärgerlichen Blick einbrachte. Sie schauten vorsichtig durch die halboffene Tür in das Schloss. Alles war still. Lynn ging voran in das Foyer und ihre Schritte hallten durch die menschenleeren Gänge. Neben der großen, repräsentativen Treppe war eine kleine Tür, die Lynn sachte öffnete und schließlich dahinter verschwand. Es tat einen Riesenschlag! „Huch, Hilfe!“ rief sie. „Was ist los?“, fragte Maggie erschrocken. „Hahahaha! Das hast du von deiner Neugier!“, lachte sie plötzlich los. Lynn war offenbar in einer Abstellkammer gelandet und hatte sich in der Dunkelheit in einem Fischernetz verfangen. Nun lag sie fast bewegungsunfähig unter einem Haufen von Besen, Putzlappen und Decken begraben. Ächzend versuchte sie sich aus dem Fang des Netzes zu befreien und stand auf. Sie konnte sich nach ein paar Minuten befreien. „Finde ich nicht witzig“, meinte sie hochnäsig. Währenddessen waren Florian und Tom die Treppen hinaufgegangen.

„Wuaaaaahhhhhhh! Hilfe, was ist das!!!!!???“ schrie Tom. Eine kalte Hand schien sich in Toms Nacken gelegt zu haben. Doch als er sich umdrehte, war niemand da. „Ahhhh! Komm schnell, Tom! Ich glaub‘, mir wird schlecht!“, schrie Florian weiter. Vor ihm lag ein Skelett, dem man ansah, dass es noch nicht sehr lange dort liegen konnte. Haut- und Fleischfetzen klebten an ihm, der Kopf bestand nur noch aus Resten von Fleisch und Knochen, die lidlosen Augen starrten die beiden ausdruckslos an. Es sah aus, als ob ihm die Haut abgezogen worden war – und als ob dies noch nicht lange her war…In der Hand hielt das Skelett einen gelben Schlüsselanhänger. Denselben, den Marina von ihrem Vater aus Amerika geschickt bekommen hatte. Und ihre Initialen waren auch darauf: M.S.

„Oh Gott! Nimm den Anhänger und lass uns verschwinden! Das ist fürchterlich hier!“

Doch bevor Florian den Anhänger ergreifen konnte, zuckte die Hand des Skeletts und Florian und Tom zuckten mit einem kurzen Schrei zurück. Das Skelett stand auf und nahm beide schnell am Kragen. Tom und Florian schrien laut.

 

Währenddessen hatte sich der König der Skelette, an Krone, pelzbesetztem Umhang und Ringen erkennbar, bereits von hinten an die am Treppenabsatz kauernde Lynn herangeschlichen, sie sofort ergriffen und in einen angrenzenden großen Saal verschleppt. Das Gleiche geschah mit Maggie durch ein weiteres Skelett. Anscheinend waren sie seit Betreten des Schlosses von der Skeletthorde beobachtet worden. Maggie und Lynn wurden in Käfige gesteckt und diese an Ketten hochgezogen. „Tom! Florian!“, riefen sie, als das Skelett, das vormals Marina gewesen sein musste, die beiden in den Raum schleifte. „Da seid ihr ja! Helft uns, bitte!“, flehten die Mädchen unter Tränen. Doch Florian und Tom, die sich gerade wieder aufgerappelt hatten, starrten fasziniert und gleichzeitig erschüttert auf das Treiben in dem Saal. Es gab mehrere Käfige mit anderen Kindern und auch Erwachsenen, die weinten, schrien, oder einfach nur resigniert vor sich hinstarrten. Diese Käfige standen auf einem Förderband, welches auf eine Köpfmaschine zufuhr. Den abgetrennten Köpfen wurden die Haare ausgerissen und in bereitliegende Schachteln gelegt. Genauso wurde ein Stück weiter mit der Haut verfahren.

 

Plötzlich quietschte die Kette, an der Maggies und Lynns Käfig hing, und bewegte sich zum Förderband, auf dem die beiden ruckartig abgesetzt wurden, so dass der Käfig umfiel und auf dem Band auf die Köpfmaschine zulief. Plötzlich rief der König: „Ohua. Johgulagula guhala ageba. Gula gehabalga gusahla.“ Das Förderband wurde umgehend gestoppt und die beiden Mädchen heruntergeholt. Ein Diener des Skelettkönigs nahm sie und zerrte sie aus dem Raum.

 

Da der König nun mit weiteren Befehlen beschäftigt war, schafften es Tom und Florian, aus ihrer Schockstarre aufzuwachen und zu entwischen. Niemand merkte es, da der König nun sehr bestimmt klang und offenbar weitere Befehle aussprach. Die Jungs folgten heimlich und sehr vorsichtig dem Skelett, das die Mädchen hinter sich herzog.

 

Sie erschraken fürchterlich, als sie an anderen Menschen, aber auch leblosen Körpern sahen, wie die beiden Mädchen umgebracht werden sollten: Lynn und Maggie sollten in kochend heißem Blut baden und so sozusagen „verkochen“. Das konnten die Jungs nicht zulassen. Tom zeigte wortlos auf einen der Kerzenleuchter, die im Raum verteilt standen. Florian nickte und deutete auf einen weiteren blubbernden Behälter, der offensichtlich heißes Öl enthielt. Blitzschnell stand Florian bei dem Behälter, nahm diesen von dem lodernden Feuer und kippte den Inhalt über das Skelett, welches gerade in diesem Moment aufblickte. Da war auch schon Tom hinter ihm und hielt den Kerzenleuchter an das Skelett, das sofort Feuer fing. Doch es war gefühllos und verbrannte, ohne es wirklich zu merken. Die beiden Jungs befreiten die weinenden Mädchen und gemeinsam rannten sie aus einer weiteren Tür, die wieder in die Eingangshalle führte. Der Weg zur Schlosstür war frei. Lynn hob schnell den Schlüsselanhänger von Marina auf, den das Skelett achtlos die Treppe hatte herunterfallen lassen. Sie rannten zur Schlosstür und machten die Türe schnell auf. „Juchuu, wir sind wieder frei!“, rief Lynn. Maggie weinte. Tom und Florian waren stolz darauf, jemandem das Leben gerettet zu haben.

 

Am nächsten Morgen war Samstag und die Kinder wohlbehalten zu Hause. Sie übergaben Marinas Mutter den Anhänger und erzählten die ganze Geschichte. Zunächst ungläubig verständigte Marinas Mutter dann doch die Polizei, welche noch am gleichen Tag das Grauen im Schloss entdeckte und dieses abreißen ließ, um dem Spuk endgültig ein Ende zu setzen. Maggie, Lynn, Tom und Florian jedoch wurden berühmt durch ihr mutiges Eingreifen.

 

ENDE

 

Nähbastelkochtante im Mai 1994 (leicht überarbeitet im April 2011)