Shadowrun: Revenge

Revenge

Diese neue Seite widmet sich meiner Shadowrun-Heldin „Revenge“. Da ich den anderen Blog nicht mehr nutze, transferiere ich die Einträge hier hinein. Und wenn ich weiterschreibe, dann melde ich es im Blog😀 Viel Spaß beim Lesen (entstanden 2003):

Zuerst zur Chronologie – damit ihr wisst, wie das alles entstand.

Chronologie

Die Welt versinkt in den Schatten. Magie und Cyberware haben für das perfekte Chaos gesorgt. Die Menschen, die Elfen, die Orks, die Zwerge und weitere leben in Angst und im ständigen Kampf. Nur angepasste Bürger können sich etwas freier bewegen. Alle anderen, so wie ich, leben in den Schatten, ohne ein offizielles „Ich“ – oder mit einer gefakten SIN.

Was ist passiert?

2000: Fusionierungen
Bis zum Jahr 2000 haben sich die großen Konzerne immer stärker verbündet. Sie fusionierten, bis einige wenige Megakonzerne entstanden.

2001: Privatarmeen
Da sie so groß waren, wurde 2001 erlassen, dass sie sich ihre eigenen Armeen ausbilden durften, um ihren Megakon zu schützen. Seither sind Privatarmeen legitimiert. Zusätzliche Rechte wie jene für Botschaften machen Megakons zu Kleinstaaten.

2002: Chip
Der erste optische Chip zur elektromagnetischen Pulsverarbeitung wird konstruiert.

2003-2009: Verschiedene Naturkatastrophen, Supergaus und Kriege sorgen für Chaos un Umstrukturierungen.

2010: Privatpolizei
Nach Texas ändern immer mehr Staaten ihre Gesetze dahingehend, dass die Polizei von privaten Organisationen unterstützt und schließlich geleitet wird.

2010: Seuche
In Indien bricht eine bislang unbekannte Seuche namens „Vitas“ (Virusindizierte Toxische Syndrom) aus, die innerhalb dieses einen Jahres die Weltbevölkerung um ein Viertel dezimiert.

2011: Umbruch
Große Rassenunruhen gepaart mit ersten Fällen von UGE (Ungeklärte Genetische Expression) treten auf: Zu anderen Wesen mutierte Kinder kommen zur Welt, auch Zwerge und Elfen bevölkern nun die Erde. Der Maya-Kalender wird Wirklichkeit: Die Magie kehrt zurück. Die moderne Medizin wird davon völlig überrascht.

2012: Drache
Der Große Drache Dunkelzahn taucht urplötzlich auf. Anschließend gibt er ein Interview von 12 Stunden Länge.

2015: Aztlan
Der mexikanische Präsident nennt sein Land in Aztlan um. Initiiert wird das Ganze durch ORO, die später „Aztech“, ein Megakon, bildet.

2017: Geistertanz
Der „große Geistertanz“ sorgt für Chaos in Militärbasen und Versorgungslagern, doch auch das Wetter spielt verrückt, unerklärbare Phänomene spielen sich ab: Vulkanausbrüche und Verwüstungen ziehen sich über die Erde.

2018: Die erste Cyberware
Der Markt wird von Cyberware revolutioniert. Es ist kurz darauf sogar möglich, diese direkt in und an den Körper zu implantieren.

2021: Verwandlungen
Plötzlich mutieren Erwachsene zu Trollen und Orks. Dadurch entstehen wietere Rassenunruhen. 2022 wird die Welt durch einen weiteren Ausbruch der „Vitas“-Seuche überrascht.

2026: Cyberterminals
Die ersten Prototypen von „Cyberterminals“ werden vorgestellt. Sie ermöglichen den Zugang zum www durch direkte ANdokkung an das zentrale Nervensystem.

2029: Virusangriff
Der schlimmste aller Computerviren schlägt im Februar zu und überrollt alle Systeme. Zwei Jahre Kampf gegen diesen Virus zeigen auch den Megakons, wie schnell ihre System zu knacken sind, weshalb diese ausgefeilte Abwehrsysteme entwickeln.

2030: Neue Nationen
Nach dem Virusangriff wird aus den Überresten von Amerika und Kanada die United Canadian an American States – UCAS – gegründet.

2034-2035: Verschiedene Staaten werden neu gegründet: Amazonien aus den Resten von Brasilien, Confederated American States – CAS, der Staat Tir Tairngire (Land der Verheißung) an der Westküste Amerikas von den Elfen.

2036: SIN
Die Systemidentifikationsnummer, kurz: SIN, wird in den UCAS eingegührt. Jeder Mensch und jedes andere Lebewesen ohne SIN gilt als „Bürger auf Probe“ und hat stark eingeschränkte Rechte.

2039:Massenmorde
Weltweite Massenmorde aufgrund von Rassenunruhen sorgen für die Ermordung tausender Metamenschen.

2042-2062 (heute): Weitere Umbrüche sorgen für weitere Umstrukturierungen und Unruhen. Bioware wird auf dem Markt erhältlich. zahlreiche Wetterphänomene sorgen für Chaos. Die Abwehrmechanismen der Megakons entwickeln ein Eigenleben.
Kometenhysterien und Kämpfe in der Matrix lassen die Welt erbeben. Heute versinkt die Welt im Chaos. Deutschland ist zu einem Staat geworden, in dem man nicht mehr sicher durch die Straßen gehen kann, sondern wo man sich nur in den Schatten bewegen kann. Selbst dort lauern etliche Gefahren.
[Für genauere chronologische Informationen klicke hier]

Quelle: http://www.papillon.net/was_ist_shadowrun.html

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Prolog

Ich war eine Abteilungsleiterin in einem großen Büro eines Megakons. Die Abteilung beschäftigte sich mit Sicherheitsfragen, war aber gleichzeitig auch für die PR zuständig – wenn man das so nennen möchte. Ich hatte viel Kontakt mit Kunden, spreche daher auch sehr gut Englisch und Japanisch. Eigentlich war es eine gute Stellung. Vorher hatte ich mich ein paar Jahre lang mit der Modebranche beschäftigt, hatte eine Schneiderlehre gemacht, was mir im Megakonzern zu Gute gekommen war, da ich dort zu Beginn in der Abteilung für die Arbeitskleidung und Uniformen untergekommen war und mich dann hoch gearbeitet hatte. Der hauseigene Fitnessbereich war fast schon mein zweites Zuhause, denn als einzigen Ausgleich ging ich dort fast jeden Abend nach der Arbeit noch trainieren.
Meine Familie besaß nur ein kleines Elektronik-Geschäft, das sich jedoch großer Beliebtheit erfreute und dessen Kundenkreis stieg. ich hatte damit nicht viel zu tun, kam aber gerne zu Besuch. Ich war ein angepasster Bürger mit SIN, großer Wohnung mit eigenem Sicherheitspersonal in einem Gebäudekomplex und ohne Geldprobleme.

Da sich das Geschäft meines Vaters immer besser stellte, wuchs nicht nur der Kundenkreis, sondern auch der Lieferantenkreis. Der Megakonzern, in dem ich arbeitete, machte ihm ein Angebot, sein Geschäft abzukaufen, doch mein Vater weigerte sich. Zu lange hatte seine Familie in etliche Generationen an diesem Geschäft gearbeitet, als dass er sich für ein paar läppische Nuyen einkaufen ließ. Meinem Arbeitgeber passte das gar nicht und ließ mich das auch immer öfter wissen. Ich wurde angehalten, Druck auszuüben, sollte meinem Vater nicht nur klar machen, dass er vorsichtig sein sollte, sondern ihm sogar drohen. Natürlich warnte ich ihn, aber eben nur, wie eine Tochter ihren Vater warnt. Meine beiden jüngeren Schwestern sollten das Geschäft einmal weiterführen.

Es war ein wieder Mal sehr trüber Abend, als ich meine Eltern wie jedoch Woche besuchen ging. Der Regen peitschte mir ins Gesicht und ich beeilte mich, ins Trockene zu kommen. Der Laden meiner Eltern befand sich unter ihrer Wohnung. Erst eine Woche zuvor hatte mein Vater ein neues Schild anbringen lassen. Mächtig stolz hatte er es mir bei anbrechender Dunkelheit präsentiert, indem er die Lettern „Mike´s Tech“ unter breiten Grinsen angeschaltet hatte.

Auch jetzt leuchteten sie mir entgegen – allerdings nur halb: „IkeTe“ leuchtete es über der offen stehenden Tür – offen stehend??? Moment, was war denn da los? Als ich näher kam, sah ich, dass nicht nur die Tür halb aufstand, sondern dass auch die Scheibe eingeschlagen war. Mein Herz schlug immer schneller.
Ich trat vorsichtig durch die Tür. Glas zerbarst unter meinen Stiefeln und durchschnitt die Stille der Dunkelheit wie ein Peitschenschlag. Ich zuckte zusammen und konnte kaum glauben, was ich in dem trüben Licht der Laternen sah: Der ganze Laden war verwüstet. Ich traute meinen Augen nicht: Alle Elektroartikel waren offenbar aus den Regalen gezerrt und auf dem Boden zerschlagen worden – jedenfalls sah es nach purer Gewalt aus, nicht wie ein „normaler“ Überfall. Der Schrank, in dem die Cyberware gelegen hatte, war vollständig zerstört, die Regale hinter der Kasse waren zum Teil umgekippt und alle darin befindlichen Waren quer über die Theke und den Boden verteilt. Hier muss geschossen worden sein! schoss es mir durch den Kopf. Und gleichzeitig durchfuhr mich die Angst. Meine Familie! Ich ließ die Einkäufe für das Abendessen fallen und bewegte mich schnell in Richtung der Tür, auf der „Privat“ stand. Sie hing ohnehin schief in den Angeln, als ob etwas großes, gewaltiges dagegen gerannt wäre. Ich versuchte, sie dennoch leise zu öffnen, schließlich wusste ich nicht, wer oder was sich noch im Haus befand. Sie knarrte und dieses Knarren erschien mir lauter als es wahrscheinlich war. Mein Atem stockte, als ich die von Glasscherben und Holzsplittern übersäte Treppe hinaufstieg, immer darauf bedacht, so wenig Lärm wie möglich zu machen.

Kaum, dass ich am Treppenabsatz angekommen war und einen Blick in das direkt anschließende Wohnzimmer werfen konnte, stieg die Übelkeit in mir auf. Mein Vater saß auf der Couch, neben ihm meine Mutter. Das vormals weiße Sofa war völlig blutverschmiert. Ich ging schnellen Schrittes hin, in der Hoffnung, sie noch retten zu können. Doch zu spät. Jemand muss direkt vor ihnen gestanden haben, als er sie erschossen hat, dachte ich noch und brach dann weinend zusammen. Ich kauerte an der Sofakante, hielt die schlaffe Hand meiner Mutter und weinte ununterbrochen. Nach kurzer Zeit schoss mir abermals ein Gedanke durch den Kopf: Ivy und Hannah! Ich raffte mich auf. Voller schrecklicher Vorahnungen eilte ich durch das verwüstete Wohnzimmer in Richtung Schlafräume, nun keinen Gedanken mehr an eine mögliche noch vorhandene Gefahr für mich denkend. Vor der Tür des Schlafraums der beiden Teenies blieb ich kurz stehen, als ob ich wüsste, was mich erwartete. Die Stille rieb sich an meinem Körper wie ein Stück Plastik auf bloßer Haut, es war kaum zu ertragen. Ich atme kurz durch und hielt dann den Atem an, als ich vorsichtig die Tür aufstieß. Was ich dann sah, ließ mich zurücktaumeln, ich verlor jedes Gefühl für die Umgebung, alles drehte sich mir und schließlich fiel ich zu Boden und erbrach mich.

Draußen plätscherte Regen. Die Straßenlaternen leuchteten in die Wohnung. Ich wusste, dass ich keiner meiner Schwestern mehr helfen konnte. Dafür war nicht genug von ihnen übrig. Irgendwann, ich weiß nicht, wie lange es dauerte, als ich so da saß, angelehnt an die Wand gegenüber der Schlafzimmertür, auf dieses unfassbar grausame Werk des Megakons starrend, wich der Verzweiflung und Trauer, dieser Leere, eine unfassbare Wut. Ich griff nach irgend etwas, was neben mir stand, ich glaube, es war eine Vase – und schmiss sie mit aller Kraft gegen eine Wand. Ich schrie so laut, dass ich glaubte, mir würde der Kehlkopf herausspringen. Wie im Wahn griff ich nach allem, was in unmittelbarer Nähe war und warf es um mich.

Es dauerte wieder eine ganze Weile – jedenfalls glaube ich das – bis ich zu erschöpft war, um weiter zu machen. Ich versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Diese Schweine wollten meine ganze Familie auslöschen. Warum nicht mich? Oder hatten sie nur auf mich gewartet? Sie wollten, dass ich das alles sah, daran verzweifle. Ich hätte es verhindern können.

Plötzlich ergriff mich neben dieser unfassbaren Wut und dem unstillbaren Durst nach Rache die Eile. Ich wollte mich rächen, ja, und dafür musste ich erst mal überleben. Ich griff nach ein paar Familienfotos, die halb aus einem zerstörten Bilderrahmen schauten, lief ins elterliche Schlafzimmer und griff rechts neben dem Schlafzimmerschrank in die Nische. Dort gab es – für das bloße Auge nicht sichtbar – eine kleine Vertiefung in der Wand, welche mit einem Stück Tapete überdeckt war. Ich griff in die Tapete und zog eine kleine Schachtel hervor. Schnell öffnete ich sie und nahm die etwa 20 Credsticks an mich. Auch ein paar andere Wertgegenstände nahm ich noch schnell an mich, als ich plötzlich Sirenen hörte – sie kommen! Ja, damit werde ich meine Rache bezahlen können, dachte ich bitter und lief schnell zur anderen Tür im Wohnzimmer, die zu einer Hintertreppe führte. Diese nahm ich und lief über diese Treppe in den Regen hinaus. Schnell verstaute ich die an mich gebrachten Gegenstände in meiner Tasche und schlich im Hinterhof zu dem kleinen Durchgang, durch den wir oft als Kinder geschlüpft waren. Ich passte gerade so hindurch. Jetzt kam es mir zu Gute, dass wir früher immer durch die Gassen und Straßen gerannt waren, immer auf der Suche nach neuen Durchgängen und Möglichkeiten.

Während die Polizei in das Geschäft meines Vaters eindrang, schlich ich mich über diese Wege davon und schwor, dass der Megakon meine Rache noch spüren würde. Doch ich wusste, dass ich mich bedeckt halten musste, alle Kontakte abbrechen, alle alten Gewohnheiten ablegen musste. In einem Hinterhof eines anderen Stadtteils von Seattle fand ich in einem dreckigen Hotel eine Unterkunft für die Nacht. Ich zog mich aus, ging in der mit Schimmelrändern verzierten Dusche duschen und legte mich dann aufs Bett. Ich überlegte, was ich nun tun konnte. Während meine Gedanken so schweiften und ich versuchte, dass alles, was ich gesehen hatte, zu verarbeiten, erinnerte ich mich an die Typen, die auch Shadowrunner genannt wurden und wusste plötzlich, was ich zu tun hatte…

Anfänge

Ich hatte mich dazu entschlossen, Shadowrunner zu werden. Nur so konnte ich meine Familie rächen. Doch wie wird man Shadowrunner? Es gibt ja schließlich kein Handbuch dazu.
Nachdem ich ein paar Tage in verschiedenen Hotels übernachtet hatte, die alle in irgendwelchen Hinterhöfen und vor allem irgendwie alle gleich aussahen, hatte ich mir so etwas wie einen Plan zurecht gelegt. Zunächst muste ich mir darüber bewusst werden, was ich schon konnte. Und was ich besaß. Und vielleicht auch, was zu viel war. Ich war sehr sportlich, musste mir also keine Gedanken machen, dass ich in einem späteren Kampf einmal zu schwach sein würde. Außerdem sprach in sehr gut Englisch und Japanisch. Und darüber hinaus? Was hatte ich denn schon, was mir nützen konnte? Eine SIN, mit der man mich immer und überall idetifizeren konnte – na super. Credsticks, auf denen alle wichtigen persönlichen Daten meiner Familie drauf waren – und irgendwelcher Kunden, die ab und an pleite gewesen waren und die Sticks meinem Vater gegeben hatten.Das waren also die ersten beiden, fast schon wichtigsten Punkte auf meiner Liste: meine SIN entfernen lassen und möglicherweise ersetzen – doch wie? Und außerdem die Credsticks irgendwie tauschen… Zunächst suchte ich nach einem alten Laden mit Drogerie-Produkten und ähnlichem, der vielleicht noch kein so ausgeklügeltes Sicherheitssystem hatte wie die bekannten Stuffer-Shacks. Es dauerte ein paar Stunden und etliche dubiose Gestalten, die ich fragte, bis ich einen solchen Laden entdeckte. Den dubiosen Gestalten hatte ich ein paar meiner Credsticks andrehen können – im Tausch dafür hatte ich zum Teil wichtige Informationen, aber auch Checksticks – natürlich mit weniger drauf – erhalten. Ich wusste, dass ich mich kaum nach dem Bezahlen schnellstens entfernen musste, denn die restlichen Credsticks von meinem Vater verrieten ja nun wirklich alles über mich und meine Familie.Ich begab mich also in den von außen extrem siffigen Laden. Ein alter Kerl mit noch älterer Cyberware blickte von seiner Lektüre zweifelhaften Rufs auf, knurrte kurz und widmete sich dann wieder den „Artikeln“. Ich ging durch die alten Gänge, deren Platten schon gesprungen und Regale schon lange mehr als nur verrostet waren.
In den ebenfalls rostigen Einkaufskorb, den ich mir geschnappt hatte, legte ich eine Schere, ein paar Lebensmittel, Schokolade und Drogerieartikel, dann ging ich zur Kasse und zog einen der Checksticks hervor. Glücklicherweise hatte ich diese, waren sie doch ohne SIN oder anderweitige Informationen lediglich einfache Zahlungsmittel.

Kaum, dass ich bezahlt hatte, verstaute ich die Waren und beeilte mich auch schon, den Laden zu verlassen. Gegenüber des Platzes, auf dem alte, rostige Fahrzeuge standen, deren erfolgreichste Tage schon lange vorbei schienen, gab es einen wirklich kleinen Laden, der mir erst jetzt auffiel. irgendwie war er einfach unscheinbar, doch ein nur noch halb funktionierendes Schild zeigte an, dass es dort „Runway“ware geben sollte. Irgendwie ahnte ich, dass es mit diesem Wortspiel etwas mehr auf sich hatte und trat durch die kleine Tür in einen winzigen Verkaufsraum.

Ein grinsender, vercyberter Elf blickte mich misstrauisch an und fragte, was ich denn wolle. Ich sah mich um und fühlte mich in meinem Verdacht bestätigt: Lauter Krempel, den kein normaler Mensch freiwillig anziehen würde, verriet mir, dass es sich hier tatsächlich um einen Runner-Treffpunkt handeln musste. Ich zeigte wortlos und bestimmt auf ein paar Sachen, die mir per Augenmaß passen mussten: Ein schwarzer langer Mantel, eine schwarze, einfache Hose, ein Tanktop und rote, kniehohe Lederstiefel. Er blickte mich an, als wolle er mich durchleuchten – vermutlich tat er das auch. Schließlich knurrte er irgendwas unverständliches und streckte seine Hand aus. Ich gab ihm einen der Checksticks. Plötzlich lächelte er mich an, als ob wir uns schon immer kennen würden.

„Neu, was?“ Ich lächelte unbeholfen. „Geh ins Dead Men´s Hand“ oder „Blue Reign“, dort wirst du dich sicher wohl fühlen.“
Ich nahm meine neuen Sachen, sagte Danke und machte, dass ich davon kam. Im Hotel nahm ich die Schere und schnitt mir meine hüftlangen, schwarzen Haare ab. Da ich mich noch nie damit beschäftigt hatte, wie man Haare schneidet, sah das Ergebnis dementsprechend aus: Wie ein Vogelnest, ganz wirr, standen meine Haare nun streichholzkurz vom Kopf ab. Doch irgendwie gefiel mir mein neues Ich, und nachdem ich das neue Outfit angezogen hatte und mich im Spiegel, an dem eine Ecke fehlte, betrachtete, fiel es mir immer leichter, mein altes Ich hinter mir zu lassen und mein neues namens „Revenge“ zu anzunehmen.

Es wurde also Zeit für den nächsten Schritt: Eine neue SIN musste her…

Erinnerungen

In den nächsten Tagen, als ich auf der Suche nach einer Möglichkeit für eine neue SIN war, erinnerte ich mich immer wieder an die „alten“ Zeiten, meine Kindheit, Jugend, aber auch meine Ausbildung bei Aztech.
Mit einem Lächeln entsann ich mich, welche Kosten und Mühen meine Eltern auf sich genommen hatten, mir trotz der nicht so guten Geschäfte eine gute Schulbildung und die Ausbildung zu ermöglichen. Die Megakonzerne erwirtschafteten zu jener Zeit immer mehr, so dass kleine Geschäfte wenig Chancen hatten. Trotzdem schafften es meine Eltern, ihre Stammkundschaft zu behalten und ab und zu sogar neue Kundschaft zu bekommen.
Diese Zeit war eine gute Zeit gewesen, ich hatte meinen damaligen Mann James kennen gelernt, war aus meinem Elternhaus in eine kleine, fast schon baufällige Einzimmerwohnung ausgezogen. Abends nach der Arbeit ging ich gern aus, in verschiedene Bars oder Kneipen.
Das „Blue Reign“ war mir schon ein Begriff, denn auch dort war ich ab und an zu Gast, so lernte ich den Besitzer Frog kennen, ein hässlicher, von eitrigen Beulen gekennzeichneter Typ – aber nett und hilfsbereit. Dass diese Bar offenkundig ein Anlaufpunkt für Runner war, hatte ich jedoch nicht gewusst.
Eines Abends hatte ich dort James kennen gelernt, ein gut aussehender, junger Mann, erfolgreich im Job und einfach herzensgut. Es dauerte nicht lange, bis wir zusammenkamen, unsere Beziehung dauerte drei Jahre, Wir heirateten, als ich schwanger wurde. Es war eine schöne Zeit und wir freuten uns darauf eine Familie zu werden und zogen in eine größere Wohnung in besserer Lage.
Doch in gewisser Weise war mir damals klar, dass es selten lange gut läuft im Leben. So wurden meine Großeltern, die für einen Megakon arbeiteten, auf brutalste Weise ermordet. Der Schock saß tief und ich konnte mich kaum fangen. So verlor ich im siebten Monat meine Tochter, die wir Amy genannt hätten. Die Behandlung erfolgte im Megakon-Krankenhaus, ein ironischer Fakt.
Kurz darauf trennten James und ich uns, die Beziehung hatte diese Schicksalsschläge nicht verwunden.
Ich stürzte mich in die Arbeit, zog in einen großen, stark geschützten Gebäudekomplex.
Und jetzt, sechs Jahre danach, schien mich diese Geschichte einzuholen.
Es konnte nur ein Megakon dahinter stecken und die schreckliche Vermutung, dass es jener war, in dem James arbeitete, kam in mir auf.
Die SIN musste her, ich wollte Rache, mehrmals, immer wieder, dem Megakon in jeder Weise, die mir einfiel, musste geschadet werden, es musste zerstört werden!

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