Vormittagsgeschreibsel

So, noch ist es Vormittag und deshalb schreibe ich jetzt mal, muss ja einiges aufholen 😉 . Was war denn so los bei uns mir in letzter Zeit?

Arbeitslosigkeit

Ich war 5 Monate lang arbeitslos. Bis auf meinen Nebenjob, natürlich, aber davon allein kann man ja nicht leben. Das war eine sehr durchwachsene Zeit, denn ich wusste nie: Kommt nun noch ein Anruf wegen einer Stelle als Lehrerin, oder nicht? Deshalb konnte ich mich weder über die Sommerferien noch danach so richtig entspannen, weil ich eben auch nie wusste: Kann ich dieses oder jenes noch nächste Woche machen oder bin ich dann schon wieder am Arbeiten? Das war wirklich nicht schön, vom finanziellen Aspekt ganz zu schweigen. Trotz allem konnte ich mich in der Zeit auch neu sortieren. Es gab auch eine schöne Hochzeit, zu der wir eingeladen waren und ein paar Feiern oder Geburtstage.

Im Oktober bekam ich dann einen Anruf meiner alten Schulleitung, dass sie mich gern wieder wollen – ich freute mich sehr darüber, denn dort habe ich wirklich gern gearbeitet. Trotzdem sollte es noch bis zum 02.12. dauern, bis ich wieder eingestellt wurde. So sparte sich das Land den Weihnachtsbonus gleich mit. Danke.

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pic by Rob Gonyea

Neue Lerngruppe: DaZ-Unterricht in Vollzeit

Trotz allem, wieder zu arbeiten tat mir richtig gut, auch wenn es plötzlich Vollzeit war. Ich arbeite mittlerweile hauptsächlich mit DaZ- (Deutsch als Zweitsprache) Schülern, was ein besonderes Arbeitsfeld ist. Da kann man nicht einfach mit dem typischen Stoff für eine 5. oder 8. Klasse anfangen. Ja, genau, es sind altersgemischte Gruppen. Ich habe hauptsächlich einen Alphabetisierungskurs. Das, was ich dort mache, ist vor allem Buchstaben erarbeiten. Da hilft mir meine Arbeit als Legasthenietrainerin sehr, denn ich weiß, WIE ich vorgehen muss. Ein bisschen vorteilhaft ist es auch, dass mein Kleinster eingeschult wurde. Bei ihm sehe, ich, wie man bei der Alphabetisierung grundsätzlich vorgehen muss, auch wenn er schon vorher lesen und ein bisschen schreiben konnte.

Jedenfalls erarbeiten wir gerade die Schreibschrift-Buchstaben, da die Schüler oft im Regelunterricht sitzen und dann das, was der Lehrer an die Tafel schreibt, überhaupt nicht lesen können. Das Erarbeiten macht Spaß, aber man merkt schon, dass vor allem erzieherische Arbeit vonnöten ist. Die Kinder kommen oft aus Haushalten mit 7-10  Familienmitgliedern, teilweise sind sie unbegleitet, das heißt, ohne irgendwelche Familienmitglieder, hierher gekommen. Da rückt Wissensvermittlung schnell in den Hintergrund. Ein schwer traumatisiertes Kind ist hier nach 3 Monaten genauso schulpflichtig wie ein Kind, das in einer festen Familienstruktur hergekommen ist. Dass man beide nicht gleich behandeln kann, dürfte selbst Menschen, die nicht in der Schule arbeiten, klar sein. Dazu kommt dann oft Arbeitslosigkeit der Eltern, manchmal sind die Kinder verwarlost. Zusätzlich kommen kulturelle Unterschiede – teilweise massiv. Und einfach grundsätzlich unterschiedliche Einstellungen: Zum Beispiel das Essen! Die Kinder kommen fast ausschließlich mit Energydrinks und Chips in die Schule. Natürlich macht das weder satt noch ist es besonders nahrhaft – aber wie mir ein Kind erklärte, ist das in Afghanistan (daher kam das Kind) wohl normal: Man geht um 9h los, kauft Energydrinks und Chips und geht dann bis ungefähr 14h in die Schule. Die ist dort auch ganz anders. Gewalt ist dort normal: Lehrer schlagen Schüler, Schüler schlagen Lehrer. Teilweise krankenhausreif. Ein Umdenken von heute auf morgen, das geht nicht so einfach und deshalb braucht man unendich viel Geduld, denn bei uns in Deutschland ist natürlich beides nicht erlaubt oder gar normal. Meine Lebensaufgabe, anscheinend: Geduld zu erlernen :P.

Man muss auch bedenken: Dadurch, dass oft die sprachlichen Möglichkeiten fehlen (wie bei einem Kleinkind), versuchen die Kinder, Probleme anders zu lösen – und da kommt es oft zur Gewalt. So gesehen ist das Verhalten tatsächlich oft wie bei Kleinkindern, zumindest was Konfliktlösung betrifft: Wo die sprachlichen Mittel fehlen, wird der Körper eingesetzt.

Na gut, also, das ist jetzt mein täglich Brot. So anstrengend es ist, soviel Spaß macht es auch. Man hat genauso gute und schlechte Tage wie in jedem anderen Job. Die Vorbereitung ist ein wenig anders, aber der Unterricht selbst deutlich mehr anstrengend als eine Regelklasse. Ich bin mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt.
Das wars erstmal für heute. Mehr Infos gibts beim nächsten Mal 🙂

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