Meine Meinung zu Fantasybüchern

Zu diesem Artikel in der Süddeutschen Zeitung habe ich einen Kommentar geschrieben, den ich hier gern veröffentlichen möchte. Unglaublich, dass man in so moderner Zeit noch für etwas eigentlich Selbstverständliches wie eine eigene Meinung und eigene Vorstellungen von sinnvoll oder nicht sinnvoll, bildend oder nicht bildend, kämpfen muss. Und dass Frau Heidenreich – wenn man dem Autor Glauben schenken möchte – tatsächlich so eine beschränkte Sichtweise hat.

Eine Tür zu anderen Welten

Fantasy ist für mich, als gläubige und praktizierende Katholikin, ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens . Es ist genauso ein wesentlicher Bestandteil im Leben meiner Kinder. „Guter Lesestoff“ zeichnet sich nicht durch einzelne Meinungen bestimmter Kritiker aus, sondern durch seine wertvollen Inhalte, die jeder Leser und jede Leserin selbst bestimmen und für sich herausziehen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Bibel oder Den kleinen Hobbit handelt: Lesen ist immer eine Form der Bildung, es ist eine Form der Selbstentrückung und zeitgleich Selbstreflexion. Literatur entwickelt sich genauso weiter, wie die Autoren, die sie schreiben – man kann nicht erwarten, dass sie stehenbleibt. Und vor dem Hintergrund der Hermeneutik bieten sich viele Möglichkeiten, das Gelesene zu rezipieren. Das sollte eine Frau Heidenreich eigentlich auch wissen. Natürlich empfinde ich die unemanzipierte Bella aus der Biss-Reihe auch nicht als Vorreiterin einer modernen Protagonistin (und deshalb lese ich diese Bücher auch nicht). Aber ich verstehe, dass solche Welten dem Menschen ein Ideal vermitteln, nämlich eine ganz andere Welt, als die unsrige, in der immer mehr Ängste geschürt werden. In der Fantasyliteratur hat der Leser die Möglichkeit, diesen aktuellen Sorgen und Ängsten zu umgehen – dazu bietet sich die Gelegenheit, genau kontrastierte Figuren zu erleben – so, wie wir es in unserer Welt kaum noch erleben. Hier verschwimmt alles zu einem Brei, Männer sind nicht mehr Männer, sondern metrosexuell, Frauen sind keine Frauen mehr, sondern Karrieremenschen (beides ist natürlich überspitzt formuliert), was bleibt einem da zur Orientierung, gerade, wenn man jung ist? Dazu kommt die immer größer werdende Neugier der Menschen nach einer „unsichtbaren Wahrheit“: Die Mayas prophezeiten für 2012 den Weltuntergang, andere sehen darin die Änderung von Sichtweisen der Menschen, die Schwerpunktlegung auf neue Lebensinhalte, fernab vom materiellen Wahn. Wo, wenn nicht in Fantasyliteratur, erleben wir das, was Phantasie positiv anregt, was unsere Sichtweisen ändert und uns anstachelt, ebenso aktiv, aufbegehrend, neugierig zu sein – „hinter“ Fassaden zu sehen und das Gleis 9 3/4 zu betreten? Und, das kommt noch hinzu, ist Fantasy nicht auch Märchen? Ist der kleine Wassermann gar existent? Wer weiß das schon. Letztlich ist Literatur nun einfach Literatur. Die Bibel bspw. ist für den einen langweiliges Gefasel, für mich ein Quell an vielfältigen Geschichten, die uns alle etwas lehren, nämlich, bei sich zu sein, Aufgaben ernst zu nehmen, seinem Schicksal zu folgen, und daran zu glauben, dass man von etwas Höherem beschützt und auch getragen wird. All dies findet sich nicht nur in der Bibel, es findet sich genauso im Herrn der Ringe, in Harry Potter, bei Star Wars oder im nächstbesten Märchen. Ist das nun alles Fantasy – oder gar langweilige Belletristik? Es ist spannend! Fakt ist doch, dass wir alle eines Tages aus dem Nimmerland zurückkehren müssen… müssen wir? Nein, durch Fantasybücher müssen wir das nicht, durch sie können wir im Nimmerland bleiben, können Kind sein, Pirat, Vampir, hier sind wir stark, weise, dürfen uns ängstigen, ohne Angst zu haben. Das ist wie bei den Märchen: Wir stellen uns so viel vor, wie unsere Phantasie es uns erlaubt. Sie überfordert uns niemals, wie Silke Fischer, Direktorin des Deutschen Zentrums für Märchenkultur, jüngst in einer wdr-Sendung sagte. Und der Fakt ist doch: Andere Genres sind genauso wichtig. Nur durch das Bleiben im „Hier“ ist uns eine Reise in die fantastische Welt überhaupt möglich. Es geht nur beides, nie eines allein (sonst wäre das ja schwarzweiß-Denken, und hatten wir das nicht schon mal, dass jemand meinte, entscheiden zu müssen, was „gute Literatur“ und was „böse Literatur“ ist?). Dazu ist das immer noch Ansichtssache des einzelnen Lesers. Traurig, dass es überhaupt zu solchen Aburteilungen kommt, wo Lesen an sich doch so etwas Wunderbares ist. Ganz besonders, wenn es die Tür zu anderen Welten öffnet.

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