Keine liturgiefremden Lieder bei der kirchlichen Trauung – na und?

Dieser Artikel, respektive sein Inhalt, hat in einem Forum, in dem ich unterwegs bin, für Diskussionen gesorgt.
Da war von Intoleranz die Rede und von Grenzen in beiden Richtungen. Der Gott sei ein Gott der Liebe, daher seien Liebeslieder doch in Ordnung. Und natürlich wurde sofort wieder auf der Kirche und ihren veralteten, intoleranten Ansichten herumgehackt. Ich muss das leider so nennen.

Meine Standpunkte dazu sind folgende:

Ich muss sagen, dass ich das völlig ok finde. Die kirchliche Trauung ist als heiliges Sakrament nunmal wirklich kein Wunschkonzert und zudem gibt es genügend passende Lieder, die geeignet sind. Allein die Möglichkeiten aus der klassischen Musik sind immens und es gibt auch genügend Stücke, die so geeignet sind, ohne aus dem Gesangsbuch zu sein (wo es btw ja auch schöne Lider gibt). Gerade Michael Jackson halte ich persönlich auch eher für unpassend. Aber mal ganz davon ab ist es sowieso fragwürdig, seine Trauung so kurz vorher erst zu besprechen…

Mich ärgert es auch, dass viele nur kirchlich heiraten „weil das ja soooo romantisch“ ist und dass es ihnen eigentlich nicht wichtig ist, sich vor Gott trauen zu lassen – damit wird die Kirche auch herabgewürdigt und nicht richtig ernst genommen – und dabei wollen gerade diese Brautpaare aber unbedingt ernst genommen werden, das ist wirklich fragwürdig. Von daher ist es doch völlig nachvollziehbar, dass hier eine Grenze gezogen wird, die allerdings wirklich noch genügend Spielraum zulässt. Auf der Feier kann man dann ja noch jede andere Musik spielen.
Zudem gibt es genug Pfarrer, die trotzdem mehr zulassen, das sollte auch mal gesagt werden.

Viel wichtiger aber noch:
Was hat es denn mit Toleranz zu tun, wenn die Kirche als heiliger Ort sagt: Dieses und jenes möchten wir nicht, weil das nicht dem entspricht, was die Kirche darstellt? Ist es tolerant, Menschen alles zu erlauben? Ich denke nicht. Toleranz ist doch, wenn Einstellungen und Grenzen, Menschen und ihre Art respektiert werden, nicht Wünsche – wünschen kann man sich ja vieles, aber deshalb muss es ja nicht unbedingt erfüllt werden. Und die kirchliche Einstellung ist nunmal diese, dass Toleranz untereinander stattfinden muss. Aber deshalb jetzt bestimmte Regeln anzugreifen, finde ich nicht in Ordnung. Ihr habt doch auch Regeln zu Hause (und mit „ihr“ meine ich alle hier, auch mich), die Gäste bitte respektieren sollen – das ist genauso Toleranz.

Weshalb also nicht die Kirche? Muss sie wirklich alles zulassen, nur weil sie in letzter Zeit unter Kritik stand? Und muss sie alles zulassen, nur weil der allgemeine Chorus ist, dass die Kirche veraltete Ansichten hat? Das sind keine Argumente, sondern Trotz. Es handelt sich um den Verbot weltlicher Musik. Die Kirche ist kein weltlicher Ort, sie bildet ein Refugium für Gläubige.

Ich frage mich gerade: Würde darüber nun auch so diskutiert, wenn es sich hier um eine muslimische/jüdische/indische oder irgendeine andere „andere“ religiöse Glaubensstätte handeln würde…? Ich denke eher nicht. Ich finde es furchtbar, dass der christliche Glaube und somit auch die Kirche von den meisten Leuten nicht mehr ernst genommen werden. Andere Glaubensrichtungen respektive deren Institutionen sind genauso wenig modern oder aktuell und trotzdem werden sie respektiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer Moschee, in einer Synagoge, in einem Tempel oder sonstwo so eine „krasse“ Regelung (wie es manche formulieren) kritisiert oder gar verurteilt würden.
Was also ist an der Kirche so anders, so „schlimm“, dass sie nicht bestimmen darf, dass dieser Ort allein dem Glauben und seinen Inhalten gewidmet sein sollte?

Diese intolerante Art der Kirche gegenüber macht mich wütend, wird doch im gleichen Atemzug mehr Toleranz von ihr gefordert.
Leute, macht doch mal die Augen auf und denkt ein bisschen darüber nach, in welchem Verhältnis ihr die Religionen seht!!!!! Jeder Religion hat ihre Daseinsberechtigung, ihre Regeln, aber das alles doch bitte gleichwertig nebeneinander.

Und vor diesem Hintergrund sollte es einfach akzeptiert werden, dass unser Glaubensort keine Konzerthalle für jedwede Musik sein soll, auch dann nicht, wenn im Songtext das Wort „Liebe“ vorkommt. Toleriert und akzeptiert das! Danke.

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